Ein Glas voller Weihnacht

IMG_64391Weihnachten steht natürlich auch in Schweden vor der Tür und ähnlich wie in Deutschland bereiten sich die Schweden auch schon seit einiger Zeit auf die Weihnachtsstimmung vor. Selbst das Wetter macht mit: Seit Freitag ist es ordentlich kalt und als ich heute morgen aufgestanden bin, lag bereits über ganz Växjö eine traumhaft schöne Schicht Schnee. Und natürlich hat die Weihnachtszeit auch schon in die Supermärkte Einzug gehalten. Neben allerlei Weihnachtsdeko, Schokolade und Pfefferkuchen gibt es aber auch Weihnachtszubehör, das man in deutschen Geschäften eher seltener findet.

Julmust ist eines davon. Wörtlich verbirgt sich dahinter Weihnachtsmost, geschmacklich ist es jedoch etwas schwieriger zu beschreiben. Es kommt Malzbier schon recht nahe, der relativ hohe Hopfenanteil und die etwa 30 Kräuter, die das Jul in den Julmust bringen, verleihen dem Getränk aber eine besondere Note, die an amerikanisches Root Beer erinnert. Ich finde es nur bedingt lecker, die Schweden lieben es jedoch. Alle Supermärkte sind voll damit, denn selbstverständlich gibt es mehr als nur einen Hersteller und zahlreiche Versionen beispielsweise mit extra viel Liebe oder wenig Zucker.

Must statt Bier

Selbst Coca-Cola hat einen eigenen Julmust für den schwedischen Markt entwickelt, denn sobald das Weihnachtsgetränk in die Geschäfte kommt, bricht der Cola-Umsatz drastisch ein. Etwa 45 Millionen Liter Julmust werden allein im Dezember konsumiert – bei 9,5 Millionen Einwohnern. Das sind ungefähr 50 Prozent des gesamten Limonadenumsatzes für diesen Monat, schreibt das Aftonbladet. Der Verkauf von Coca-Cola und anderen Softdrinks geht zur selben Zeit um etwa 50 Prozent zurück. Zu Ostern soll es übrigens Påskmust – Ostermost – geben. Der Name ist zwar anders, der Geschmack soll aber sehr ähnlich sein. Deswegen gibt es einen regelrechten Glaubenskrieg um die Frage: Ist Julmust und Påskmust das Gleiche?

Die Frage ist, warum die Schweden ihren Julmust so lieben. Die Antwort ist – wie so vieles – historisch gewachsen und auch ein bisschen aus der Not heraus geboren. Als es Anfang des 20. Jahrhunderts ein Alkoholproblem in der schwedischen Gesellschaft gab, wuchs der Anteil derer, die sich für ein Leben ohne Bier, Wein und Schnaps aussprachen. Zwei Mitglieder dieser Abstinenzbewegung waren Robert und sein Sohn Harry Roberts. Sie haben die weihnachtliche Kräuterlimonade als alkoholfreie Alternative erfunden und populär gemacht. Ihre Firma produziert noch heute Sirup für den Julmust.

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